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Das Internet in Deutschland. Differenzierungen, Spaltungen, Koppelungen.

von Edgar Einemann
Schüren, Marburg, 192 Seiten, 24,90 Euro (2006)
rezensiert von Jutta Croll


Buchtitel: Das Internet in Deutschland. Differenzierungen, Spaltungen, Koppelungen. Die neue Publikation von Edgar Einemann, Prof. für Informatik/Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Bremerhaven beleuchtet die Internetsituation in Deutschland auf der Basis mehrerer Ausgangsfragen:
  • Wie differenziert sich die Internetstärke, gibt es eine digitale Spaltung?
  • Gibt es eine Konzentration der Internetstärke in einer Metropole?
  • Welche Städte und Regionen haben welche Internet-Stärke?
  • Gibt es eine wirtschaftliche und soziale Koppelung der Internet-Stärke?
Dabei konzentriert sich der Band auf die Analyse der Situation in ausgewählten deutschen Großständen, die Situation in der Stadt Bremen wird exemplarisch näher beleuchtet und detaillierter betrachtet.

Ein erster Blick in den Band scheint zu bestätigen, was der Umschlagtext verspricht: "Die Grundlage dieser Arbeit basiert nicht auf Umfragen und Hochrechnungen, sondern auf Fakten: eigene Erhebungen und 'harte' von Internet-Unternehmen und unabhängigen Instanzen gemessene Daten bilden die Basis." Mit 88 Tabellen und 90 Abbildungen auf 192 Seiten ist das Werk in der Tat stark Zahlen lastig. Dass viele Zahlen und Erhebungen aber nicht unbedingt zu neuen Erkenntnissen führen, zeigt sich in der Auswertung und Analyse des Materials. Mit dem so genannten Verweigerer-Atlas wurde im Jahr 2001 durch TNS Emnid erstmals ein Digitaler Graben durch Deutschland aufgezeigt. Die folgenden Ausgaben des Atlas belegen, dass die Digitale Spaltung nicht mehr nur von Norden nach Süden entlang der Ost-West-Grenze verläuft, sondern ein differenzierteres Bild aufweist. Diese Differenzierung in unterschiedlich starke und schwache Internetregionen wird nun durch die Arbeiten Einemanns belegt und untermauert. Da sich die Studien nur auf Zahlen zur Nutzung von Breitbandanschlüssen stützen, fehlt ein wesentlicher Aspekt der Digitalen Spaltung, nämlich der zwischen infrastrukturstarken und -schwachen Regionen. Die Konzentration auf die Situation in den Städten Deutschlands berücksichtigt zudem nicht, dass die größten Unterschiede in der Internetnutzung derzeit zwischen städtischen und ländlichen Regionen bestehen.

Mit der Einführung des Begriffs der Internet-Stärke durch Einemann geht eine Verwendung des Begriffs der Digitalen Spaltung einher, die sich stark unterscheidet von der ursprünglichen Definition des Begriffs, der Ende der neunziger Jahre in den USA als Digital Divide auftauchte und wissenschaftlich maßgeblich durch die Forschungen von Pippa Norris geprägt wurde. Die Digitale Spaltung verläuft entlang der sozialen Spaltung der Gesellschaft – zu diesem Ergebnis kommt auch Einemann, und Internet-Schwäche steht in direkter Korrelation zu sozialer Schwäche von Regionen und Städten. Allerdings stützt sich diese Erkenntnis vor allem auf die Auswertung von Daten statistischer Landesämter und von Providern ermittelte Nutzungsraten und Transfervolumina. Die – nur durch Umfragen – zu ermittelnde Art der Nutzung bleibt bewusst außen vor und damit auch die Frage, wer transferiert eigentlich welche Daten und zu welchem Zweck. Damit fehlt aber der von Einemann konstatierten Digitalen Spaltung ein wesentlicher Aspekt, nämlich der der Nutzerperspektive. Norris stellte in ihren Studien im Jahr 2000 den Digital Divide in einen Kontext von "Social and Democratic Divide", dessen Ursachen in der Struktur der Gesellschaft zu suchen sind. Diese breitere Herangehensweise an das Phänomen der Spaltung liefert zugleich Ansatzpunkte zu deren Überwindung, die über ökonomische, technische und infrastrukturelle Aspekte hinausgehen.

Interessant sind die von Einemann und seinen Studierenden vorgenommenen Bewertungen von City-Websites, die in das Bild der Internet-Landschaft Deutschlands einbezogen werden, auch wenn dieses Qualitätsranking teilweise im direkten Gegensatz zu dem der Internet-Stärke der Städte steht. Allerdings fällt auch hier auf, dass die Nutzerfreundlichkeit der Webseiten anhand von Indikatoren gemessen wird, die nur wenig Bezug zu Usability aufweisen. Die daraus resultierende Platzierung der Städte weicht demnach auch in vielen Fällen ab von anderen Rangfolgen, die auf Nutzerbefragungen beruhen.

Das Buch liefert eine Fülle interessanter Informationen, die weit über sonstige Arbeiten zur Internetsituation hinausgehen. Allerdings beschränkt sich die Analyse auf die Situation in den Städten: "Das Internet in deutschen Städten" würde als Titel dem Inhalt des Buches besser gerecht und bei den Leserinnen und Lesern die Erwartungen wecken, die der Band in vollem Umfang erfüllen kann.

Im Angebot der SDC seit 21.06.06 (jcr)

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Themenbereiche:
Städte / urbane Regionen, Zielsetzung, Vorgehensweise zur Überwindung der Digitalen Spaltung




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