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Sonderanalyse der ARD-ZDF-Online-Studie, Teil 1.Hier gibt es die gesamten Ergebnisse als Grafiken zum Download:
Sonderanalyse der ARD/ZDF-Online-Studie von 2003.
9. Aussagen und Meinungen zum Internet:
Bei den Aussagen und Meinungen zum Internet finden sich unter solchen Onlinern, die das Internet seit mindestens einem Jahr nutzen, zum Teil erhebliche
Altersunterschiede (s. Folie 7). Ältere sind in ihrem Mediengebrauch selektiver und nutzen einen kleineren Teil der Anwendungsmöglichkeiten als die Vergleichsgruppe. So sehen knapp 80% der ab 50-jährigen Onliner das Internet als ein "Instrument, das ich ab und zu für die eine oder andere Information/Auskunft brauche", und begnügen sich mit den Angeboten ihres Providers. Auch bei den 14-49-jährigen Onliner finden diese Aussagen die meiste Zustimmung, wenngleich auch mit lediglich 60%. Über die Hälfte der älteren Onliner sind mit den gefundenen Seiten, die sie interessieren, zufrieden und suchen kaum noch neue; dies trifft auf etwas über 40% der jüngeren Onliner zu. Für sie ist das Medium weitaus häufiger ein "täglicher Begleiter für alle möglichen Fragen und Themen" (57%, 50plus: 49%); sie lassen sich auch eher "von neuen Seiten und Angeboten anregen" (47%, 50plus: 33%). Umgekehrt vertreten ältere Onliner vermehrt die Meinung, dass die Internet-Angebote ihnen nicht wichtig wären, und sie nur E-Mailen wollten (35%, 14-49: 25%). Es ist wiederum anzunehmen, dass sich bei einer Betrachtung der ab 60-Jährigen die unterschiedlichen Meinungsprofile noch deutlicher herausarbeiten ließen.
10. Wege, auf Internet-Seiten aufmerksam zu werden:
Bei der Frage nach den Wegen, auf Internet-Seiten aufmerksam zu werden, unterscheiden sich ältere und jüngere Onliner nicht prägnant voneinander (s. Folie 9). Zwar stimmen die jüngeren Onliner infolge ihrer exzessiveren Nutzung generell häufiger den diversen Optionen zu, doch bleiben deren Rangreihen identisch. Der häufigste Weg, auf Internetseiten zu stoßen, sind Suchmaschinen und Suchkataloge, drei Viertel der 14-49-jährigen Onliner nutzen häufig diesen Weg. An zweiter Stelle folgen Empfehlungen von Freunden und Bekannten (69%). Für die älteren Onliner ab 50 Jahren sind diese beiden Zugänge nahezu gleich bedeutsam (60%). Die Angabe älterer Onliner, häufiger Internetseiten auch über Hinweise aus den Printmedien (49%) und dem Fernsehen (34%) zu finden, lassen sich als Anhaltspunkte einer selektiveren und gezielteren Internetnutzung interpretieren. Die Werte liegen nur leicht unter denen der jüngeren Onliner (51% bzw. 38%), die ansonsten etwa 10 Prozentpunkte höher ausfallen. Über Links auf Internetseiten aufmerksam zu werden, weist die höchsten Altersunterschiede auf: während über die Hälfte der 14-49-Jährigen diesen Zugang zumindest gelegentlich wählen, sind es bei den ab 50-Jährigen nur ein Drittel.
11. Online-Nutzung im Tagesverlauf:
Grob skizziert lassen sich für die junge wie für die alte Onlinergruppe drei Nutzungsspitzen ausmachen (s. Folie 13). Die erste am Vormittag, die in der Gruppe 50plus früher stattfindet, nämlich zwischen 8-9 Uhr, bei den 14-49-Jährigen zwischen 10-11 Uhr. Eine zweite am Nachmittag zwischen 14-15 Uhr und eine letzte und auch am stärksten ausgeprägte am frühen Abend - diesmal bei den jüngeren Onlinern vorgezogen zwischen 18-19 Uhr und bei den älteren zwischen 19-20 Uhr. Hier wird auch die höchste Marke mit 20% Nutzeranteil erzielt. Danach nimmt die Nutzungskurve bei den Älteren deutlich ab (Konkurrenz "Tagesschau"?) und hat einen leichten und letzten Aufschwung nochmals zwischen 21-22 Uhr. Bei den 14-49-Jährigen findet sich genau in der "Tagesschau"-Zeit eine erneute leichte Nutzungsspitze, danach fällt die Kurve stetig ab. Ab 22 Uhr liegen die Nutzungswerte der älteren wieder unter denen der jüngeren Onlinergruppe. Ein Vergleich mit älteren und nicht-berufstätigen Onlinern würde vermutlich noch deutlichere Verhaltensunterschiede aufzeigen.
12. Mobile Computer- und Online-Nutzung:
Hinsichtlich der mobilen Computer-Nutzung lassen sich zumindest für die 50plus-Gruppe und die 14-49-Jährigen keine Unterschiede feststellen (je 14%; s. Folie 16). Die mobile Internet-Nutzung ist bislang ebenfalls noch nicht weit verbreitet. Mit 12% ist die 50plus-Gruppe sogar etwas häufiger vertreten als die 14-49-jährigen Onliner mit 9%. Vermutlich beruht dieser Effekt auf noch berufstätigen jungen Alten, die etwas moderner ausgerüstet sein könnten, als jüngere Onliner.
Sich Informationen aus dem Internet über Handy oder Organizer zu beschaffen, ist hingegen mit 17% bei den jüngeren Onlinern deutlich ausgeprägter als bei den ab 50-jährigen mit 6% (s. Folie 16). Die Unwissenheit über solche technischen Möglichkeiten ist darüber hinaus bei den älteren Onlinern mit 9% größer als bei den jüngeren mit 4%.
13. Abonnierte Newsletter und Newsticker:
Ältere Onliner abonnieren generell mehr Newsletter und Newsticker als die 14-49-Jährigen (s. Folie 17). Klar dominierend sind in beiden Gruppen Shopping-Newsletter; 44% der älteren Onliner und 30% der jüngeren Onliner nutzen dieses Angebot. An zweiter Stelle, mit 19% jedoch deutlich geringer ausgeprägt, steht in der Gruppe 50plus der Bereich "Geld, Finanzen und Wirtschaft" (14-49-Jährige: 9%). Für die jüngeren Onliner ist, ebenfalls mit 19%, der Bereich "Portale, Provider" der zweitwichtigste Bereich (50plus: 9%). Deutlich mehr Abonnements haben die älteren Onliner zudem in den Bereichen "PC, Computer" (17% vs. 9%) und "Beruf, Fachverbände, Firma" (10% vs. 5%). Jüngere Onliner verfügen hingegen im Bereich "Unterhaltung, Musikevents und Comedy" über mehr Abonnements (13% vs. 10%).
14. Abruf von Audio- bzw. Video-Dateien im Internet:
Wie zu erwarten, nutzen jüngere Onliner diese Möglichkeiten weitaus intensiver als ältere (s. Folie 18): Während 43% der 14-49-Jährigen angeben, Audio-Dateien zumindest 'seltener' abzurufen, beträgt der Anteil der ab 50-Jährigen lediglich 15%. Ein Drittel der jüngeren Onliner, aber lediglich 17% der ältern Onliner rufen Video-Dateien ab.
15. Bekanntheit und Zustimmung zur Speicherung von Cookies:
Datensicherheit ist vor allem bei älteren Onlinern ein wichtiges Thema. Dies zeigt sich auch bei der Frage nach der Bekanntheit und Zustimmung zur Speicherung von Cookies (s. Folie 20). In beiden Subgruppen weiß der überwiegende Teil, dass bei Internetzugriffen Cookies auf dem PC gespeichert werden (14-49 Jahre:82%; 50+: 80%). Von diesen Informierten stimmen aber nur 8% der älteren Onliner einer solchen Speicherung zu, bei den jüngeren sind es doppelt so viele. Entsprechend lehnen auch weitaus mehr ältere Onliner eine Speicherung von Cookies ab (48% vs. 32%).
16. Weitergabe persönlicher Daten im Internet:
Die starke Skepsis älterer Onliner gegenüber der Datensicherheit zeigt sich auch in der Befürchtung des Missbrauchs persönlicher Daten. Während 81% der 14-49-jährigen Onliner diese Befürchtung äußern, sind es bei den ab 50-jährigen Onlinern sogar 90% (s. Folie 21). Entsprechend fallen auch die Urteile der älteren Onliner zurückhaltender aus, wenn es um die Weitergabe persönlicher Daten im Internet geht: Lediglich ein Fünftel von ihnen hat dies schon gemacht, im Gegensatz zu einem Drittel der jüngeren Onliner.
Ausblick:
Zwischen älteren und jüngeren Onlinern konnten deutliche Unterschiede im Gebrauch und der Bewertung des Internets aufgezeigt werden. Als charakteristische Merkmale älterer Onliner lassen sich herausstellen: sie nutzen das neue Medium weniger intensiv, verfügen über ein engeres Anwendungsspektrum und betrachten das Internet weit mehr als Informations- und Kommunikationsmedium denn als Unterhaltungsmedium. Das Internet wird zwar in seiner gesellschaftlichen Relevanz geschätzt und akzeptiert, doch besteht auch eine ausgeprägte Skepsis bzgl. der Datensicherheit.
Diese Unterschiede treten noch deutlicher hervor, wenn man die Altersgruppe 50plus weiter differenziert. Die 50-59-jährigen Onliner ähneln weit mehr den jüngeren Altersgruppen als den ab 60-jährigen. Hier spielen besonders die unterschiedlichen Lebenslagen (z.B. berufstätig versus nicht-berufstätig) eine entscheidende Rolle.
Zur Beschreibung dieser noch sehr selektierten älteren Onlinergruppe erscheinen neben soziodemographischen Kriterien wie Alter, Einkommen, Bildung, Berufstätigkeit und Geschlecht auch psychographische Aspekte wie Wertestrukturen von besonderer Relevanz zu sein. So zeigt die semiometrische Analyse des aktuellen (N)Onliner-Atlas von 2004, dass die ab 50-jährigen Onliner (die sogenannten Best-Ager) in drei Subgruppen unterteilt werden können: die 'Passiven Älteren' (35%), die 'Kulturell Aktiven' (38%) und die 'Erlebnisorientierten Aktiven' (26%). Dabei zeichnet sich der Typ 'Erlebnisorientierte Aktive' durch seine enorme Technikaffinität aus: 95% von ihnen nutzen den Computer und nahezu 80% das Internet.
Literatur:
Blödorn, S. & Gerhards, M. (2004). Mediennutzung der älteren Generation. In Media Perspektiven, 4, 163-175.