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Die Initiative D21 hat am 26. Mai 2011 eine Diskussionsveranstaltung initiiert, die sich unter dem Motto "Homo digitalis - Zerrüttet das Internet unsere Gesellschaft?" mit den Einflüssen der digitalen Medien auf die gesellschaftliche Entwicklung befasst hat. Gemeinsam mit dem ifo Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München wurden aktuelle Untersuchungen der Studie "Surfing Alone? The Internet and Social Capital: Evidence from an Unforseeable Technological Mistake" präsentiert, die zu folgendem Schluss kommen: Das Internet fördert im Gegensatz zur landläufigen Meinung die sozialen Aktivitäten innerhalb der deutschen Gesellschaft.
Besonders die Ergebnisse des ifo Instituts München widersprechen dem Mythos, dass das Internet die Menschen sozial vereinsamen lässt und damit letztlich die Grundlagen unserer Gesellschaft erodiert. "Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass das Internet einsam macht", sagt Prof. Dr. Ludger Wößmann, Bereichsleiter Humankapital und Innovation am ifo Institut. Im Gegenteil, die neue ifo-Studie zeigt, dass schnelles Internet zu Hause die sozialen Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen im Durchschnitt sogar eher positiv beeinflusst. Denn diese Heranwachsenden können mehr eigene Interessen für sich entwickeln und gehen häufig Gruppenaktivitäten außerhalb der Schule nach, dazu gehören beispielsweise Sportvereine, Musik- oder Gesangsunterricht.
Dieses Ergebnis dürfte selbst Internetkritiker und Kulturpessimisten positiv stimmen, deren vielleicht größte Angst es ist, dass die Generation Facebook nur noch freu(n)dlos vor dem Computer sitzt. Im Ergebnis nimmt das Maß der informellen sozialen Interaktion mit dem Internet sogar signifikant zu: Menschen mit schnellem Internetanschluss gehen beispielsweise häufiger ins Theater, in die Oper, ins Kino oder ins Konzert. Der Hintergrund: Das Internet kann es erleichtern, neue Kontakte zu Menschen zu knüpfen oder alte Kontakte aufrecht zu erhalten. Eine E-Mail oder eine kurze SMS sind beispielsweise nette Gesten und bringen alte Freunde wieder in Erinnerung. Zudem können sich Onliner im Netz ausführlich über aktuelle Freizeit- und Kulturangebote oder über ehrenamtliches Engagement informieren.
Dass die Schulen noch keine tragende Rolle bei der Vermittlung einer Grundkompetenz im Umgang mit den digitalen Medien spielen, betonte nochmals die Initiative D21 auf Basis ihrer Bildungsstudie . Auch wenn bereits knapp 90 Prozent der Schulen über eine Minimalausstattung an Computern verfügen, ist der Einsatz von digitalen Medien im Unterricht nach wie vor von Mangel geprägt. Fehlende Konzepte, die geringe Zahl an Weiterbildungen sowie nicht schulgerechte Soft- und Hardware verhindern, dass die digitalen Medien tatsächlich nachhaltig im Unterricht integriert werden können.
Hannes Schwaderer (Präsident der Initiative D21) nimmt dazu Stellung: "Die Ergebnisse der Studien zeigen, dass der Zugang zum Internet die Kommunikationsmöglichkeiten der Nutzer erweitert, den Zugang zu Information erleichtert und Wissensbildung ermöglicht. Der richtige Umgang mit den digitalen Medien erleichtert zudem die Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben. Um das Potential von Computer und Internet für die Gesellschaft in Deutschland weiter zu steigern, sollte Medienkompetenz schon in der Schule vermittelt werden."
Robert A. Wieland (D21-Gesamtvorstandsmitglied) blickt auf die Entwicklungen der vergangenen Jahre zurück: "Natürlich nähern wir uns langsam einer digitalen Gesellschaft an, allerdings geht die Mehrheit der deutschen Bevölkerung noch nicht souverän mit digitalen Medien um. Ein wichtiger Grund dafür sind auch Bedenken und Vorbehalte gegenüber diesen Medien bei den Nicht- und Wenignutzern. Hier müssen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gemeinsam ansetzen."